Kasuistik

Fall 1

Ein 16-Jähriger hat in der angrenzenden Schule unter Drogen und Alkoholeinfluss randaliert. Dabei hat er auch die Windschutzscheibe unseres Autos eingeschlagen. Da er von der Polizei gestellt wurde kannten wir Name, Alter und Wohnort. Nun stellte sich uns die Frage ob wir ihn vor dem Jugendanwalt anklagen wollen.

Mein Gewissen sträubte sich gegen eine Verzeigung des 16-Jährigen, weil ich seine Zukunft nicht beeinträchtigen wollte. Ein befreundeter Polizist riet mir zu einer Anklage, denn so seine Aussage: „hätten sie endlich einer erwischt und ich könne ihn nicht einfach laufen lassen“. Auch wäre die Busse die der 16-Jährige bezahlen müsse kein grosser Betrag. Die Schule brachte das Delikt (ca. 5000.00 Fr. Schaden) vor den Jugendanwalt.

Meine / Unsere Gewissenlösung war, dass wir dem Jungen die Rechnung der Reparatur der Windschutzscheibe persönlich aushändigten. Und wir keine Anklage erhoben. Er wurde ja von der Schule angezeigt. Zeitgleich hörte ich, dass 80% der Jugendlichen welche in Jugendjahren vor dem Jugendanwalt standen der Rest ihres Lebens nicht mehr straffällig wurden. Was für mich / uns eine Bestätigung meines unseres Handelns war. Der 16-Jährige zahlte die Rechnung fristgerecht.

Fall 2

Am 31.08.1997 starb Lady Diana bei einem Verkehrsunfall in Paris. Ich weilte zu dieser Zeit zu einem Sprachaufenthalt in London. Wo ich die Trauer um die „Prinzessin der Herzen“ hautnah mitbekommen habe. Eine Sprachlehrerin unserer Schule wartete in einer Menschenschlange sieben Stunden um sich und im Namen der Schule in einem Konsolenzbuch eintragen zu können. Ich sah die tausenden Blumensträusse vor dem Kensington-Palast und die weinenden Menschen auf der Strasse. Als die Beerdigung fertig war und ich die Haustüre öffnete um zur Strasse hochzugehen wo anschliessend der Trauerzug vorbeifuhr, machten es mir dutzende gleich. Unvergesslich wie die Strasse für dieses Ereignis geputzt und gewaschen wurden.

Ich empfand die Trauer der Briten um ihre Prinzessin als Echt und nicht zur Schau gestellt. Im Oktober zurück in der Schweiz staunte ich, dass die Magazine auch in der Schweiz voller Artikel um Lay Diana waren. Das Interesse der Schweizer um die „Prinzessin der Herzen der Briten“ empfand ich hier gekünstelt und unecht. Es war ein Personenkult ohne inneren Bezug zum geschehen.

Fall 3

Ein Freund von mir hat sich überlegt in die chinesische Kryptowährung „Yuan“ zu investieren. Er erläuterte mir die Vorteile, vor allem der, dass er mit dem „Yuan“ schnell viel Geld verdienen könne welches er dann verschenken würde. Also ein altruistisches Motiv und Motivation. Er traute sich dann selber nicht, und unterliess seine Investition.

Fall 4

Als Gärtner und Hauswart habe ich einige mir anvertraute Liegenschaften in denen ich den Schnee wegräumen soll, sowie die Glättebekämpfung vornehmen darf. Der Richtige Zeitpunkt für die Schneeräumung zu treffen ist schwierig und oftmals ein Gewissensentscheid. Geht es doch um Unfallprävention und doch auch darum die Nebenkostenabrechnung für die Mieter nicht übermässig zu strapazieren. Das Schneeschippen und die Glättebekämpfung werden bei vielen Liegenschaften den Mietern via Nebenkosten Abrechnung verrechnet. Der richtige Zeitpunkt einer Schneeräumung kann nicht bei allen Liegenschaften gewährleistet werden. Da das Personal meiner Firma ja nicht zu jeder Zeit überall sein kann. Doch welche Kriterien sind Entscheidend, wo sollen wir zuerst räumen? Bei dem Kunden, der für uns am wirtschaftlichsten ist? Bei dem der am freundlichsten ist? Der, der am nächsten gelegen ist?

Ja neben Betriebswirtschaftlichen und emotionalen Gründen schaue ich auch wie und wo die Gemeindearbeiter, die Kantonsarbeiter ihre Strassen räumen. Wie andere Private und Unternehmen räumen und gegen Ende der Saison wie die Saisonkosten im Vergleich zur letztjährigen Saison ungefähr aussehen. Wo und wie ich bei einer einzelnen Liegenschaft also Schneeräume und Glättebekämpfung mache hängt also von verschiedenem Parameter ab, sind in Überlegungen eines grösseren Ganzen eingefügt.

Fall 5

Ein Bekannter aus Norddeutschland wurde von seiner Tante gebeten, mit ihrem Mann in die Schweiz zu fahren, damit er hier legal sein Leben beenden könne. Der Bekannte lehnte ab, doch die „Autorität“ Tante, und ihr Wunsch beschäftigte ihn, und belastete sein Ge-,Wissen. Sein Onkel verstarb dann ein paar Jahre später. Doch sein von der Tante beeinflusster Ge-,Wissens Entscheid beschäftigte ihn noch Jahrelang.

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