Vor einiger Zeit, hörte ich in einem internationalen Pharmakonzern, wo ich arbeitete von der «personalisierten Medizin». Sie möchten Medikamente speziell für eine Person oder eine kleine Gruppe von Menschen und deren DNA entwickeln und produzieren.
Je länger je mehr taucht der Begriff «personalisieren» auch in anderen Bereichen auf. Personalisierte Tickets, Turnschuhe, Werbung, Magazine, Flaschen, Müesli, Vitaminrezepte usw. Vieles wird personalisiert so auch das Gewissen.
Das personalisierte Gewissen sucht seine Werte, Normen und Autoritätspersonen nach eigenen persönlichen Kriterien aus. Anders das «kollektive Gewissen». Das «Kollektiv» meint das «Ganze» also zum Beispiel die Bevölkerung eines Landes, eines Dorfes, Mitglieder eines Vereins oder Kirchgemeinde. Das «kollektive Gewissen» wird im Idealfall im Dialog zwischen der Bevölkerung, den Mitgliedern und den vorstehenden Autoritätspersonen gestaltet und geformt. Im «kollektivem Unterbewusstsein» gespeichertes kommt in Sätzen wie: «Das macht man bei uns nicht», «Wir machen das so», usw. zum Ausdruck. «… Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!" Soll der Reformator Martin Luther1 gesagt haben. Und berief sich auf die persönliche Gewissensfreiheit. Es war auch ein auflehnen gegen die «Gestalter und Former» des «kollektiven Gewissens». Die ihn von da an als «Vogelfrei» verurteilten – ein vermeintliches Todesurteil. Im Verlaufe der Geschichte wurde die persönliche Freiheit des Gewissens mehr und mehr eingefordert und beansprucht. Die Befürworter des «personalisierten Gewissen» stehen in einer Spannung zu den «Gestalter und Former», den Autoritätspersonen des kollektiven Gewissens und umgekehrt. Luthers Berufung auf die Gewissensfreiheit kann, auch auf das «kollektive Gewissen» angewendet werden. Auch gegen das «Kollektiven Gewissen» zu handeln ist «weder sicher noch heilsam». Für mich persönlich möchte ich lernen dieses Spannungsfeld auszuhalten. Zu forschen und ein Weg zu finden mit beiden in Einklang zu leben. 1Reichstag zu Worms (April, 1521)